
Training in der Schwangerschaft
Training in der Schwangerschaft: Bewegung tut gut
Eine Schwangerschaft bedeutet nicht, dass du auf Sport verzichten musst. Im Gegenteil: Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft ist regelmäßige Bewegung ausdrücklich empfehlenswert. Sie kann dazu beitragen, die körperliche Fitness zu erhalten, das Wohlbefinden zu fördern und das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes sowie übermäßige Gewichtszunahme zu reduzieren.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Schwangeren ohne medizinische Gegenanzeigen mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Geeignet sind beispielsweise zügiges Gehen, Schwimmen, Radfahren auf einem sicheren Untergrund und angepasstes Krafttraining. Auch wenn du vor der Schwangerschaft wenig Sport gemacht hast, kannst du in der Regel schrittweise mit Bewegung beginnen.
Wichtig ist, das Training an deine persönliche Situation anzupassen. Intensität, Übungen und Umfang dürfen sich im Verlauf der Schwangerschaft verändern. Achte auf dein Körpergefühl, steigere die Belastung nach und nach und vermeide Aktivitäten mit erhöhtem Sturz- oder Verletzungsrisiko. Bei Beschwerden, Risikofaktoren oder Unsicherheiten solltest du die Trainingsgestaltung mit deiner betreuenden Ärztin oder Hebamme abstimmen.
Mein Tipp: Du musst nicht möglichst hart trainieren, um etwas für dich und dein Baby zu tun. Entscheidend ist eine regelmäßige, passende Bewegung, die dir guttut und sich in deinen Alltag integrieren lässt.
Quellen: Weltgesundheitsorganisation (WHO), Guidelines on Physical Activity and Sedentary Behaviour (2020); American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG), Physical Activity and Exercise During Pregnancy and the Postpartum Period.
Laufen in der Schwangerschaft und nach der Geburt: Was ist sinnvoll?
Laufen in der Schwangerschaft und nach der Geburt: Was ist sinnvoll?
Laufen kann auch während und nach einer Schwangerschaft ein Bestandteil eines aktiven Lebensstils sein. Entscheidend ist nicht allein, ob du läufst, sondern wie du dein Training an die Veränderungen deines Körpers und deine aktuelle Belastbarkeit anpasst.
Laufen während der Schwangerschaft
Musst du in der Schwangerschaft mit dem Laufen aufhören? Nicht unbedingt. Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft können Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft regelmäßig gelaufen sind, häufig weiterhin laufen – sofern sie sich wohlfühlen und keine medizinischen Gründe dagegensprechen. Die bisherige Trainingserfahrung, der Schwangerschaftsverlauf und die individuelle Verträglichkeit spielen dabei eine wichtige Rolle.
Regelmäßige Bewegung bietet viele gesundheitliche Vorteile. Für das Laufen speziell ist die wissenschaftliche Datenlage allerdings begrenzter als für körperliche Aktivität in der Schwangerschaft insgesamt. Deshalb gibt es keine pauschale Empfehlung, die für jede Läuferin gleichermaßen gilt.
Mit fortschreitender Schwangerschaft können sich Belastungsempfinden, Gleichgewicht und Laufkomfort verändern. Passe deshalb Tempo, Umfang und Häufigkeit flexibel an. Ergänzendes Krafttraining kann helfen, die körperliche Belastbarkeit zu unterstützen. Wenn Laufen unangenehm wird, können beispielsweise zügiges Gehen, Schwimmen oder Radfahren geeignete Alternativen sein.
Bei vaginalen Blutungen, Fruchtwasserabgang, regelmäßigen schmerzhaften Kontraktionen, Schwindel, Brustschmerzen oder ungewöhnlicher Atemnot solltest du das Training beenden und medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Bei Risikofaktoren oder Unsicherheiten ist eine individuelle ärztliche Beratung wichtig.
Der Wiedereinstieg ins Laufen nach der Geburt
Nach der Geburt ist die Motivation, wieder laufen zu gehen, oft groß. Vielleicht möchtest du an deine frühere Leistung anknüpfen, wieder mehr Zeit für dich haben oder einfach die Freude am Laufen zurückgewinnen. Gleichzeitig braucht dein Körper Zeit, um sich von Schwangerschaft und Geburt zu erholen.
Die Rückkehr zum Laufen sollte sich an deiner individuellen Erholung orientieren – nicht nur an einer bestimmten Anzahl von Wochen nach der Geburt. Beckenboden, Bauch- und Rumpfmuskulatur sowie weitere Strukturen müssen sich an die Belastungen des Laufens erst wieder anpassen. Auch Geburtsverlauf, mögliche Geburtsverletzungen, Schlaf, Erschöpfung und Stillen können beeinflussen, wie du dein Training gestalten kannst.
Ein guter Einstieg beginnt deshalb mit einer schrittweisen Steigerung der Belastung. Zunächst können Spaziergänge und ein angepasstes Krafttraining sinnvoll sein. Bevor du wieder läufst, solltest du beispielsweise etwa 30 Minuten beschwerdefrei gehen können. Anschließend kann – wenn die individuellen Voraussetzungen passen – ein Wechsel aus Gehen und kurzen Laufabschnitten folgen. Steigere zunächst die Dauer und erst später das Tempo. Verändere möglichst immer nur einen Trainingsfaktor auf einmal.
Achte besonders auf mögliche Warnsignale wie Urinverlust, ein Druck- oder Schweregefühl im Beckenboden, Schmerzen, zunehmende Beschwerden im Becken oder Rücken sowie eine auffällige Zunahme von Blutungen. Solche Symptome sind kein Grund, dich zu verurteilen – aber ein Anlass, die Belastung zu reduzieren und gegebenenfalls fachliche Unterstützung einzuholen. Eine spezialisierte physiotherapeutische oder ärztliche Einschätzung kann helfen, den Wiedereinstieg sinnvoll zu planen.
Was bedeutet das für dein Lauftraining?
Ob du während der Schwangerschaft weiterläufst oder nach der Geburt wieder einsteigst: Es geht nicht darum, möglichst schnell wieder dein altes Trainingsniveau zu erreichen. Es geht darum, deine aktuelle Belastbarkeit einzuschätzen, sie gezielt aufzubauen und langfristig gesund und mit Freude laufen zu können.
Als Physiotherapeutin, Sportwissenschaftlerin und Läuferin ist mir wichtig, dass Training zu deinem Körper und deiner Lebenssituation passt. Ein individueller, schrittweiser Aufbau kann dir helfen, Vertrauen in deinen Körper zu gewinnen und deinen eigenen Weg zurück zum Laufen zu finden.
Du möchtest nach der Geburt wieder laufen oder ganz neu mit dem Joggen beginnen? Mit einem durchdachten Einstieg und gezieltem Krafttraining kannst du Schritt für Schritt eine gute Grundlage für dein Lauftraining schaffen.


Rectusdiastase: Wie sinnvoll ist Bauchmuskeltraining?
Eine Rectusdiastase wird häufig mit Schwangerschaft und Geburt in Verbindung gebracht. Doch was genau passiert dabei, welche Rolle spielt Training und welche Übungen sind tatsächlich sinnvoll?
Was ist eine Rectusdiastase?
Die beiden geraden Bauchmuskeln (Musculus rectus abdominis) verlaufen rechts und links der Körpermitte. Dazwischen liegt die sogenannte Linea alba – eine bindegewebige Struktur, die sich während der Schwangerschaft durch das Wachstum des Bauches anpassen muss.
Verbreitert sich dieser Abstand zwischen den geraden Bauchmuskeln, spricht man von einer Rectusdiastase. Die European Hernia Society verwendet eine Verbreiterung von mehr als zwei Zentimetern als Definition. Entscheidend ist jedoch nicht allein der gemessene Abstand: Auch die Funktion der Bauchwand, das Körpergefühl und mögliche Beschwerden spielen eine Rolle. Eine Rectusdiastase ist außerdem nicht automatisch ein Hinweis auf eine Bauchwandhernie. <Link url="https://doi.org/10.1093/bjs/znab128" title="(European Hernia Society, 2021)"/>
Kann Training eine Rectusdiastase verbessern?
Die gute Nachricht: Gezieltes Bauchmuskeltraining kann sinnvoll sein. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse aus dem Jahr 2025 fand Hinweise darauf, dass Bauchmuskeltraining nach der Geburt den Abstand zwischen den geraden Bauchmuskeln verringern kann. Die Sicherheit dieser Ergebnisse ist allerdings niedrig, und die Studien unterscheiden sich deutlich hinsichtlich der untersuchten Übungen und Trainingsprogramme. <Link url="https://doi.org/10.1136/bjsports-2024-108619" title="(Ruchat et al., 2025)"/>
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen einer Veränderung des Muskelabstands und einer Verbesserung der Funktion. Ein kleinerer Abstand bedeutet nicht automatisch, dass die Bauchwand im Alltag belastbarer ist. Umgekehrt kann sich die Kraft und Kontrolle verbessern, auch wenn der Abstand nicht vollständig verschwindet.
Bislang gibt es keine ausreichend belastbare Evidenz für ein einzelnes Trainingsprogramm, das bei allen Betroffenen am besten wirkt. Deshalb sollte das Training nicht nur auf das Schließen der Lücke ausgerichtet sein, sondern auf den Aufbau einer gut belastbaren Rumpfmuskulatur.
Welche Übungen sind sinnvoll?
Statt bestimmte Übungen grundsätzlich zu verbieten, ist es sinnvoll, das Training individuell anzupassen und schrittweise zu steigern.
Mögliche Bestandteile sind:
Atem- und Rumpfkontrolle: Atmung, Spannung und Bewegung miteinander koordinieren.
Gezieltes Bauchmuskeltraining: Sowohl die tiefe als auch die oberflächliche Bauchmuskulatur einbeziehen.
Funktionelle Kraftübungen: Beispielsweise Kniebeugen, Ausfallschritte, Zug- und Druckbewegungen sowie angepasste Stützvarianten.
Progressiver Belastungsaufbau: Widerstand, Bewegungsumfang und Komplexität entsprechend der individuellen Leistungsfähigkeit steigern.
Dabei muss nicht jede sichtbare Vorwölbung der Bauchmitte automatisch bedeuten, dass eine Übung schädlich ist. Sie kann ein Hinweis sein, die Belastung, Bewegungsausführung oder Atmung genauer zu betrachten. Entscheidend sind die Gesamtsituation, die Beschwerden und die Fähigkeit, die Belastung gut zu kontrollieren.
Muss ich Crunches und Planks vermeiden?
Nein, nicht grundsätzlich. Es gibt keine überzeugende wissenschaftliche Grundlage dafür, alle Crunches, Planks oder anderen Übungen für die gerade Bauchmuskulatur bei einer Rectusdiastase pauschal zu verbieten.
Welche Übung geeignet ist, hängt unter anderem von der aktuellen Belastbarkeit, dem Trainingsstand und möglichen Beschwerden ab. Eine Übung kann zunächst vereinfacht und später gesteigert werden. Ziel ist, die Bauchwand schrittweise an die Anforderungen des Alltags und des Sports heranzuführen – nicht, bestimmte Bewegungen dauerhaft zu vermeiden.
Wann ist physiotherapeutische Unterstützung sinnvoll?
Wenn du eine deutliche Vorwölbung der Bauchmitte bemerkst, dich bei Belastungen unsicher fühlst oder Beschwerden wie Schmerzen, ein ausgeprägtes Instabilitätsgefühl oder Einschränkungen im Alltag hast, kann eine physiotherapeutische Einschätzung sinnvoll sein.
Dabei geht es nicht nur darum, den Abstand zwischen den Bauchmuskeln zu messen. Auch Kraft, Belastbarkeit, Bewegungskontrolle und gegebenenfalls die Funktion des Beckenbodens sollten berücksichtigt werden. Bei einer schmerzhaften oder neu auftretenden umschriebenen Vorwölbung sollte auch eine mögliche Hernie ärztlich abgeklärt werden.
Fazit: Funktion vor Lückenmaß
Eine Rectusdiastase bedeutet nicht, dass du auf Bauchmuskeltraining oder Sport verzichten musst. Ein individuell angepasstes, progressives Krafttraining kann helfen, die Rumpffunktion zu verbessern und möglicherweise auch den Abstand zwischen den geraden Bauchmuskeln zu reduzieren. Welches Training am besten geeignet ist, lässt sich nach aktuellem Wissensstand nicht pauschal festlegen.
Dein Ziel sollte nicht nur eine möglichst kleine Lücke sein, sondern ein belastbarer Rumpf, der dich im Alltag, beim Sport und bei deinen persönlichen Zielen unterstützt.
